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Kader-Billard erklärt: 47/2, 71/2 und die Cadre

Kader (Cadre, balkline) erklärt: was die Zahlen 47/2 und 71/2 bedeuten, die Kaderfeld-Regel, das Ankerfeld und warum die Kaderpartie erfunden wurde.

Autor: Setviva Engineering Team 770 Wörter 4 Min. Lesezeit

Lange bevor Dreiband zur Schlagzeilen-Disziplin des Karambolage wurde, tat eine Spielart mehr als jede andere, um das moderne Billard zu prägen — indem sie ein einziges Problem löste: Spieler, die nahezu endlos punkten konnten, ohne dass die Kugeln je eine Ecke verließen. Diese Disziplin ist Kader — in Frankreich le cadre genannt, in Spanien cuadro und in den Niederlanden kader. Ihre seltsam anmutenden Namen — 47/2, 71/2, 47/1 — verbergen eine einfache, elegante Regel. Dieser Leitfaden entschlüsselt sie.

Was Kader ist

Kader ist ein Karambolage-Spiel, das auf demselben taschenlosen Tisch wie Dreiband gespielt wird, mit zwei Spielkugeln und einer roten Kugel. Wie in jedem Karambolage-Spiel erzielst Du einen Punkt — eine Karambolage —, indem Du Deine Spielkugel in einem einzigen Stoß auf die beiden anderen Kugeln triffst. Was Kader besonders macht, sind die auf das Tuch gezeichneten Linien, parallel zu den Banden, die die Fläche in rechteckige Bereiche unterteilen, die sogenannten Kaderfelder. Innerhalb eines dieser Felder ist Dein Punkten eingeschränkt: Du darfst nur eine festgelegte Anzahl von Karambolagen erzielen, bevor Du gezwungen bist, mindestens eine Kugel hinaus zu treiben.

Die Zahlen lesen: 47/2, 71/2, 47/1

Die beiden Zahlen sagen Dir alles über das Spiel. Die erste Zahl gibt an, wie weit die Linien von den Banden entfernt liegen, in Zentimetern; die zweite, wie viele Karambolagen Du erzielen darfst, während beide Zielkugeln in einem Kaderfeld liegen. Also:

PartieLinien von der BandeKarambolagen im KaderfeldCharakter
47/147 cm1Die strengste Standard-Cadre — sehr anspruchsvoll
47/247 cm2Die meistgespielte europäische Kaderpartie
71/271 cm2Größere Felder, die klassische französische Partie

Bei 47 cm zerlegen die Linien den Tisch in drei Spalten über seine Breite; schiebt man sie auf 71 cm hinaus, passen nur zwei Spalten, was größere, nachsichtigere Felder ergibt. Der amerikanische Verwandte, das 18.2-Balkline, misst seine Linien schlicht in Zoll (18 Zoll sind etwa 46 cm) mit einer Grenze von zwei Karambolagen — fast dasselbe Spiel wie 47/2.

Die Kaderfeld-Regel in der Praxis

Stell Dir vor, beide Zielkugeln liegen zusammen in einem Rechteck in einer Partie 47/2. Du darfst dort eine Karambolage erzielen und eine zweite — aber um eine dritte in demselben Feld zu erzielen, musst Du zuerst mindestens eine der Kugeln über eine Linie hinaus aus dem Rechteck treiben. Treibe eine Kugel hinaus und bring sie zurück, und der Zähler beginnt von vorn. Der ganze Sinn ist, dass Du die Kugeln nicht einfach an einer Stelle parken und Punkte abgrasen kannst; Du bist gezwungen, sie ständig zu bewegen, was das Spiel zu einer Prüfung der Kontrolle macht statt eines einzelnen wiederholten Stoßes.

Ankerfelder: das Schlupfloch schließen

Findige Spieler entdeckten bald eine Lücke in der Regel. Wenn sie die beiden Kugeln genau auf einer Kaderlinie an einer Bande balancierten, lagen die Kugeln technisch gesehen in zwei verschiedenen Feldern — also galt die Einschränkung nicht und das endlose Punkten kehrte zurück. Die Lösung, 1894 vom Chicagoer Billardsaal-Besitzer J. E. Parker eingeführt, war das Ankerfeld (das ancre, im Volksmund Parkers Box): ein kleines Rechteck, das den Punkt umgreift, an dem jede Kaderlinie auf die Bande trifft, etwa 18 cm breit, in dessen Innerem beide Kugeln als im Feld gelten, ganz gleich auf welcher Seite der Linie sie liegen. Das Ankerfeld schloss das Schlupfloch und ist bis heute auf jedem Kadertisch markiert.

Warum es Kader gibt: der Krieg gegen das Serienspiel

Kader war eine bewusste Antwort auf seinen Vorgänger, die freie Partie (Partie libre). In der freien Partie gibt es überhaupt keine eingeschränkten Zonen, und die allerbesten Spieler lernten, die Kugeln in einer Ecke zu sammeln und mit winzigen Serienstößen Hunderte in Folge zu erzielen — ein Wunder an Kontrolle, aber langweilig anzusehen. Indem es die leichten Bereiche abzäunte, zwang Kader die Spieler, den Tisch zu öffnen, und machte die Partien wieder zu einem echten Wettstreit. Derselbe Instinkt brachte später das Dreiband hervor, die anspruchsvollste Antwort von allen auf das Serienproblem. Du kannst diese ganze Entwicklung in unserer Geschichte des Karambolage-Billards nachverfolgen.

Kader heute

Kader ist nie verschwunden. Die UMB und der europäische Verband richten weiterhin Cadre-Meisterschaften aus, und in Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Deutschland bleibt es eine angesehene Liga-Disziplin mit eigenen Spezialisten. Für einen Dreiband-Spieler ist es ein hervorragendes Training: Die Kaderfeld-Regel schärft Dein Gefühl dafür, Kugeln präzise Strecken zu treiben, und die Gewohnheit, sich nie auf einen einzigen wiederholten Stoß zu verlassen, überträgt sich direkt zurück auf das offene Spiel. Wie die Karambolage-Disziplinen zusammenpassen, zeigt unser Leitfaden zu den Regeln des Dreiband.

Trainiere Deine Sammelkontrolle

Die Kontrolle, die Kader verlangt — beide Kugeln präzise, wiederholbare Strecken zu bewegen —, ist genau das, was Du mit 3balls kostenlosem Simulator einüben kannst. Stelle ein Sammeln auf und übe, die Kugeln dorthin zu treiben, wo Du sie haben willst.

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